Telefonnummern-Rückwärtssuche

Die Rückwärtssuche von Telefonnummern – das neue Telekommunikationsgesetz und seine Folgen

Mit der Änderung des Telekommunikationsgesetzes von Ende Juni dürfen Telefonauskunftsdienste auch Namen, Adresse und Beruf von Kunden herausgeben, wenn nur dessen Rufnummer bekannt ist. Voraussetzung dafür ist, dass der betroffene Telefonkunde mit seinen Daten im Telefonbuch oder einem öffentlichen elektronischen Kundenverzeichnis eingetragen ist und gegen diese Art der Auskunft keinen Widerspruch eingelegt hat.

Wer seine Daten nicht per Rückwärtssuche weitergeben möchte, muß Widerspruch gegenüber der jeweiligen Telefongesellschaft einlegen. Die Deutsche Telekom informierte die Kunden mit der Juli-Rechnung über das neue Verfahren. Mit dieser Rechnung wurden die Kunden auch auf ihre Widerspruchsmöglichkeit hingewiesen. In den Kundendaten der Telekom wird dafür ein Invers-Kennzeichen eingeführt, das aussagt, ob der Kunde widersprochen hat. Diese Daten will die Deutsche Telekom ab Anfang September anbieten.

Alle Firmen, die Datenbanken mit den Telefondaten von der Telekom beziehen und dafür Software entwickeln, die eine Rückwärtssuche ermöglichen (z. B. Telefonbücher auf CD), müssen dieses Kennzeichen beachten und dürfen die persönlichen Daten nicht preisgeben, wenn der Kunde widersprochen hat.

Ganz unbekannt ist diese Art der Rückwärtssuche allerdings nicht. Bereits 1998 gab es Telefon-CDs mit Rückwärtssuche, die damals aus Österreich vertrieben wurden. Nachdem der Vertrieb durch gerichtliche Anordnung in Deutschland gestoppt wurde, brachten dann Schweizer Firmen verschiedene Programme auf den Markt, die eine Rückwärtssuche in den gängigen Telefonscheiben ermöglichten. Ändern wird sich deshalb durch das neue Gesetz nur, dass die Rückwärtssuche jetzt offiziell erlaubt ist.

Erste negative Folgen

Aufgrund der Datenbankerweiterung um das Invers-Kennzeichen der Telekom müssen jetzt auch Softwarehersteller Ihre Datenbanken und Programme ändern. klickTel hat das beispielsweise zum Anlass genommen, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen und ein anderes zu streichen. Anstatt die Rückwärtssuche anwenderfreundlich direkt in die klickTel-Telefon-CD zu integrieren, bietet klickTel ein zusätzliches Produkt an. Der TVG-Verlag kündigt dagegen an, die Rückwärtssuche direkt in "Das Telefonbuch für Deutschland" zu integrieren, was für den Verbraucher die günstigere Variante ist.

Im gleichen Atemzug streicht klickTel die Möglichkeit, kostengünstig auf die Daten der klickTel-CD zuzugreifen. Aufgrund der Datenbankänderungen bei der Telekom hat auch klickTel seine Datenbanken geändert, die in der Vergangenheit von klickTel vertriebene Schnittstelle klickAccess aber nicht mehr auf die neuen Datenbanken angepasst, sondern völlig überraschend eingestellt.

Für das Langener Software-Studio LaForsch hat das beispielsweise die Konsequenz, dass der MailCom Positiv-Abgleich mit der günstigen klickTel-Schnittstelle ab Januar 2005 in dieser Form nicht mehr angeboten werden kann. Gerade kleine und mittelständische Firmen konnten mit diesem Programm Ihre Adressen bisher sehr günstig abgleichen, aktualisieren und mit Telefon- und Faxnummern anreichern. Zwar wird es auch in Zukunft möglich sein, Adressen mit den klickTel-Daten abzugleichen, doch ist dafür jetzt der klickTel-Server notwendig, für den Lizenzgebühren erhoben werden.

Welche Vor- und Nachteile hat die Rückwärtssuche für den Telefonkunden?

Zwar schlagen die Verbraucherschützer mit dem Argument Alarm, dem Missbrauch würde Tür und Tor geöffnet und es sei ein weiterer Schritt in Richtung "Gläserner Kunde". Doch erst die Praxis wird in Zukunft zeigen, ob die Vor- oder Nachteile überwiegen.

Verbraucherschützer schlagen beispielsweise Alarm, dass Versandhäuser, Versicherungen und andere Werbetreibende ganz legal Daten recherchieren können, um bestimmte Kundengruppen gezielt anzuschreiben. Dies wird in der Regel lediglich dazu führen, dass Werbetreibende ihre Zielgruppen gezielter anschreiben können. Damit würden die Verbraucher nicht mehr belästigt, die im Vorfeld schon kein Interesse an dem Produkt hatten. Die Firmen sparen Werbekosten und produzieren weniger Werbematerial, das bisher häufig ungelesen im Mülleimer gelandet ist.

Verbraucherschützer befürchten außerdem, dass Adressenhändler die Daten verkaufen können. Dies ist jedoch nichts Neues. Adressen wurden auch in der Vergangenheit schon verkauft. Vorteilhaft für die Unternehmen ist aber, dass die Adressen jetzt viel effektiver eingesetzt werden könnten.

Nachteilig für den Verbraucher könnte ein möglicher Eingriff in die Privatsphäre sein. Inseriert zum Beispiel jemand in einer Zeitung per Kleinanzeige unter Hinweis auf seine Telefonnummer, so könnte es vorkommen, dass schnell viele Leute ungewollt vor dessen Tür stehen.

Telefonkunden dagegen bietet der Service einen entscheidenden Vorteil: Sie können mit Hilfe der Rückwärtssuche herausfinden, welcher Anrufer hinter der Rufnummer auf ihrem Display steckt. Anbieter unseriöser 0190-/0900-Nummern können so leicht identifiziert werden. So würde jetzt schon ein Anruf bei der Telefonauskunft genügen, um Abzocker zu enttarnen.

Telefonkunden hätten beispielsweise den Vorteil, dass sie bei telefonischen Bestellungen nicht immer ihre komplette Adresse übermitteln müssten, wenn die Versandfirma mit entsprechender Software arbeitet und dadurch schon vor Abheben des Hörers die Adresse des Anrufers auf dem Bildschirm sieht. Die Adresse könnte schnell und fehlerfrei direkt in die Auftragsverwaltung übernommen werden.

Mit Sicherheit gibt es noch Dutzende von Beispielen für Vor- und Nachteile. Letztendlich muss der Telefonkunde selbst entscheiden, ob er die Rückwärtssuche zulassen möchte oder sie untersagt.

Festzuhalten bleibt, wer als Telefonteilnehmer seine Daten nicht per Rückwärtssuche veröffentlichen will, oder nicht will, dass seine Daten anderweitig genutzt werden, muss einfach bei seinem Telefonanbieter widersprechen. Wer nicht widersprochen hat, dem scheinen die Nachteile nicht bewusst zu sein oder er möchte von den Vorteilen profitieren.

Wie funktioniert die Rückwärtssuche?

Bisher war es nur möglich, von der Telefonauskunft oder von einer Telefon-CD die Rufnummer und unter Umständen die Adresse von Teilnehmern zu bekommen, wenn man diese namentlich kannte. Das neue Telekommunikationsgesetz, das seit Juni gültig ist, sieht in § 105 Abs. 3 vor, dass nun auch anhand einer Rufnummer der Name und die Anschrift des Teilnehmers erfragt werden kann. Auf Telefon-CDs, die mit einer Rückwärtssuche ausgestattet sind, muss also lediglich die Telefonnummer eingegeben werden, um die dazugehörige Adresse mit Namen zu erhalten. Dazu muss der betroffene Telefonkunde nur mit seinen Daten im Telefonbuch eingetragen sein und gegen die Weitergabe seiner Daten keinen Einspruch eingelegt haben.

 

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